Streit um private Ferienhäuser und Ferienwohnungen 9

Bundesregierung will das Baurecht ändern und damit die umstrittenen Privatquartiere legalisieren

Ob an Nord- und Ostsee, in Berlin, Hamburg oder in den Bergen: Überall zieht es Urlauber in private Ferienwohnungen. Fachleute sprechen von Milliarden-Umsätzen. Doch die Widerstände gegen Ferienwohnungen und Ferienhäuser wachsen.

Anlass dafür ist eine Bundesverordnung, die seit 1990 besagt, dass in reinen Wohngebieten Ferienwohnungen unzulässig sind. Denn laut dieser „Baunutzungsverordnung“ gilt eine regelmäßige Vermietung an Urlauber als gewerbliche Nutzung. Gerichtsurteile haben inzwischen bestätigt, dass Ferienwohnungen in Wohngebieten gegen diese jahrzehntealte Baunutzungsverordnung verstoßen.  Ferienwohnungen in reinen Wohngebieten sind damit illegal.

Lösung im Streit um private Ferienwohnungen in Sicht?

Lösung im Streit um private Ferienwohnungen in Sicht?© ferienwohnungen.de

Aber auch die pure Menge an Ferienwohnungen in Wohngebieten macht z.B. Anwohnern dieser privaten Urlaubsquartiere durch Lärmbelästigung das Leben schwer. Vermittlungsportale im Internet machen Ferienwohnungen für jedermann auffindbar und vergleichbar. Und seit einiger Zeit werfen Privatleute auch ihre eigenen Wohnungen oder einzelne Zimmer davon auf diesen Markt.

Allein in Berlin geht der Senat von 12.000 solcher illegaler Wohnungen in der Hauptstadt aus. In Mecklenburg-Vorpommern wären demnach bis zu 10.000 Wohnungen illegal.
Die amtliche Statistik geht davon aus, dass es in 2014 bundesweit 321.000 Betten in Ferienhäusern und -wohnungen gab. Hier werden jedoch nur gewerbliche Anbieter ab zehn Betten gezählt. Tatsächlich aber dürfte es inzwischen etwa eine Million Betten geben. Die meisten davon an den Küsten und in den Bergen, zunehmend aber auch in Großstädten. An der Küste haben sich mittlerweile Bürgerinitiativen für und gegen Ferienwohnungen gegründet.

In den klassischen Urlaubsregionen überprüfen die Behörden daher nun Ferienhäuser und Ferienwohnungen und untersagen die Vermietung manchmal auch fristlos. Tourismusverbände warnen schon vor schweren Schäden für das Ansehen des Deutschlandtourismus. Alarmiert sind auch Investoren und Privatleute, die ihr Geld in lukrative Ferienwohnungen oder Ferienhäuser gesteckt haben.

Baunutzungsordnung ändern?

Die Tourismusbranche fordert deshalb, die Baunutzungsordnung zu ändern.

Vor diesem Hintergrund hat das Bundesbauministerium nun für 2016 „eine Klarstellung im Rahmen der geplanten Novellierung des Städtebaurechts“ angekündigt, sagte ein Sprecher der Behörde der Ostsee-Zeitung. Mit der Gesetzesänderung sollen „Rechtsunsicherheiten“ beseitigt werden, ob Ferienwohnungen in reinen Wohngebieten geduldet werden müssen. Alles andere als die Legalisierung der Ferienwohnungen wäre eine Sensation. Denn die Bundesbehörde hatte bereits mitgeteilt, es lägen „keine Anhaltspunkte“ dafür vor, dass „Ferienwohnungen in einzelnen Baugebieten unzulässig sein sollen“.

Nach jahrelanger Unsicherheit werden viele Ferienwohnungen aus einer Grauzone geholt!

Nach jahrelangem Streit wurde nun am 09.03.2017 im Bundestag eine Änderung des Städtebaurechts in Deutschland beschlossen. Wenn dieses Gesetz am 31.03.2017 wie erwartet auch im Bundesrat Zustimmung findet, sind ab April die Kommunen am Zug. Mit der Änderung des Baurechts haben es Kommunen dann selbst in der Hand, wie viele Ferienwohnungen und Ferienhäuser sie in Wohngebieten zulassen. Die Kommunen können dann in ihren Bebauungsplänen selbst festlegen, ob, in welchem Umfang und mit welchen Auflagen sie Ferienwohnungen in Wohngebieten genehmigen möchten. Das schafft Rechts- und Planungssicherheit für die Vermieter von Ferienwohnungen.

Konkret wird nun ein neuer §13a in die Baunutzungsverordnung (BauNVO) aufgenommen.
Dieser neue Paragraph wird dann Ferienwohnungen definieren und deren Zulässigkeit regeln. Für die problematischeren Fälle in allgemeinen und reinen Wohngebieten werden den Kommunen Sonderregelungen und Befreiungsmöglichkeiten hilfreiche Handlungsoptionen an die Hand gegeben.

Weiterführende Links

Der Gastgebär von ferienwohnungen.de
Zum einen ist es nicht verständlich, warum Ferienwohnungen in Wohngebieten illegal sein sollen. Zum anderen kann ich aber auch nachvollziehen, dass sich Nachbarn solcher Privatquartiere vielleicht durch Lärm belästigt fühlen … Wie denkt Ihr darüber?
Der Gastgebär von ferienwohnungen.de
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Oliver

Über Oliver

Oliver ist seit 1999 bei ferienwohnungen.de im Support und in anderen Bereichen tätig. In dieser Zeit hat er viele Erfahrungen machen und Informationen sammeln können, die er hier im Blog weiter gibt.

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9 Kommentare auf "Streit um private Ferienhäuser und Ferienwohnungen"

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juergen

wir wohnen seit 3 jahren in einem reinen wohngebiet.
in direkter nachbarschaft stehen zwei doppelhäuser mit je 8 Betten.ebenfalls nicht viel weiter davon steht ein Haus mit insges. 7 Betten
unser kleines wohngebiet umfasst insges. 9 einfamilienhäuser mit 23 anwohnern.
dem gegenüber stehen 23 urlauber.
eine lärmbelästiung in diesem kleinen gebiet ist unausweichlich.jede nacht bis weit nach mitternacht sind die gäste auf den terrassen und sind sich nicht im klaren, wie sehr sie durch ihren lärm die anwohner stören..
parkprobleme ohne ende…..verschmutzungen….lärm…
es ist nicht mehr auszuhalten.
warum sollen wir illelage ferienwohnungen und häuser akzeptieren???????????

Oliver

Wie unser Gastgebär schon sagt: in einem solch extremen Fall ist ein Vorgehen gegen Ferienwohnungen schon recht gut nachvollziehbar … In dieser Sache wird es wohl keine einfache, einvernehmliche Lösung geben …

Angeline van der Heijden

Dieses Thema ist auch hier auf Mallorca super aktuell. Die Vermietung von Wohnungen zu Ferienzwecken auf Mallorca ist illegal. Unglaublich! Da wir doch hier zu 100 % auf die Gäste angewiesen sind. Es gibt auf Mallorca niemanden, der nicht direkt oder indirekt vom Tourismus lebt. Aber die Frage bleibt weltweit: Warum benimmt man sich im Urlaub nicht genau so wie zuhause?

Lilo

Ich möchte ein gutes Wort für unsere Gäste einlegen, die wir bereits seit fast 8 Jahren
in einer Ferienwohnung im Wohngebiet beherbergen dürfen. Noch nie haben Gäste Randale gemacht. Bis jetzt hatten wir immer sehr nette Gäste, die wussten, wie sie sich
verhalten sollen.
Eine Beanstandung seitens der Nachbarn gab es nicht.
Es ist ja nicht so, daß man nur Geld damit verdient, dieses muß auch „verdient“ werden,
durch die Bereitstellung der Einrichtung, Putzen, Wäsche bereitstellen, Reinigen, Renovieren usw. Damit ist immer auch viel Arbeit verbunden.
Eigentlich müsste man jeden einzelnen loben, der eine Ferienwohnung zur Verfügung
stellt. Das ist jedenfalls meine Meinung.

Günter Blankenagel
Aus meiner Sicht gibt es überhaupt keinen Unterschied zwischen einem Mieter, der eine Wohnung dauerhaft bewohnt, oder einem Gast, der vorübergehend in einer Ferienunterkunft weilt. In beiden Fällen handelt es sich schlicht und einfach um Mitbürger, die Wohnraum nutzen, der eine länger, der andere kürzer. Andere Unterschiede sind objektiv überhaupt nicht vorhanden. Warum sollte man dem Eigentümer eines Objekts vorschreiben, wie er seine Immobilie nutzt, auch wenn sie in einem Wohngebiet liegt. Schließlich wird ja in dem Objekt gewohnt, es findet nichts anderes dort statt, was nicht auch in einer dauerbewohnten Immobilie stattfinden würde. Und Mieter sind nun mal nicht… weiterlesen »
jürgen
🙂 so ein blödsinn herr blankenagel, dann wünsche ich ihnen in unserem kleinen wohngebiet (11 anwohner und 24 gäste) den lärm, den die urlauber zusammen bis weit nach mitternacht unterhalten. sein sie doch mal realistisch. urlauber die am nächsten tag nicht arbeiten sind doch wohl anders drauf als die mieter, die jeden morgen um sechs zur arbeit müssen. was ziehen sie da eigentlich für einen vergleich? sie fragen sich wirklich noch wo der unterschied ist? im ernst? auf was soll ich neidisch sein? auf meinen nachbar der seine wohnungen vermietet? *gg* sie haben auch nicht viel lebenserfahrung oder? oder haben… weiterlesen »
Günter Blankenage

Mag sein, dass es vereinzelt zu den von Ihren beschriebenen Zuständen kommt, daraus lässt sich jedoch wohl kaum eine Regel ableiten. Mit Dauermietern oder -nachbarn kann man die gleichen Probleme haben. In Ihrem Fall ist das dann wohl ein bedauernswertes Einzelschicksal. So etwas nennt man Lebensrisiko.

jürgen
Die Regel lässt sich sehr wohl davon ableiten, sonst wären die ganzen Diskussionen in Deutschland nicht aufgekommen. Fakt ist , dass unser Anwalt dieses Jahr ca 170 Beschwerden über Ruhestörungen von Touristen und Gästen von Ferienwohnungen vorliegen hat. Das kommt nicht von ungefähr. Auch ist es hier am Bodensee bei der Polizei bekannt, dass in den Sommermonaten täglich Anrufe über Ruhestörungen eingehen. Natürlich kann sowas mit Nachbarn vorkommen.Nachbarn dürfen auch gerne mal ihre Grillpartys machen. Eins ist aber Gewiss.Nachbarn müssen auch früh morgens zur Arbeit 🙂 Mir scheint, dass sie zu der Kategorie Vermieter gehören, die eine kleine Ferieneinheit besitzen… weiterlesen »
Gerd Gessler

Wüunsche Ihnen auch mal so ein „bedauernswertes Einzelschicksal“, damit sie mal vom hohen Ross runter kommen mit ihrer menschenverachtenden Ansicht. Das Letzte so was.

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